Trauerbewältigung

Trauerbewältigung

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6 Monate, 1 Tag und 8 Stunden sind es jetzt her, dass meine geliebte Oma verstorben ist. Ich werde meiner Oma für immer dankbar sein, dass sie am Ende ihrer Zeit so entspannt war. Sie hat immer mit Humor gesagt „Ich bin die Nächste…“ und hat immer glücklich zurück in ihr Leben geblickt: 

Meine Oma hat Medizin studiert und wurde eine erfolgreiche Lungenfachärztin. Sie hat meinen Opa, auch Arzt, geheiratet und einen Sohn bekommen, meinen Papa. Sie hat alles richtig gemacht und immer voran ihr unabdingbarer Glauben an Gott. Noch heute denke ich an die Zeit, wie ich abends im Bett lag und sie mir aus der Bibel Geschichten vorgelesen hat. Dass das Leben für jeden einen Sinn bereit hält, man immer stolz sein soll und was aus sich machen soll, hat sie mir auch gelehrt. Erst Jahre später habe ich begriffen, was sie damit meinte!

Ich habe mich in den letzten Jahren oft gefragt wo es mit mir hingeht, was ich vom Leben erwarte und was ich mir für meine Zukunft wünsche und ich sage es euch! Ich glaube, dass die Familie der Mittelpunkt der Erde ist. Ich finde, dass wir viel zu sehr damit beschäftigt sind, Fremde für uns als Freunde zu gewinnen und viel zu oft vergessen, von wem wir das Leben geschenkt/beigebracht bekommen haben!

Kurz nachdem meine Oma verstorben ist, sind meine Eltern und ich nach Hongkong geflogen. – Sie hätte nicht gewollt, dass wir diese Reise ‚wegen ihr‘ absagen –

Da lag ich nun 9062 km entfernt von Zuhause im Hotelbett mit Jetlag 3000 und war süchtig nach dem Gedanken, was ich aus dem Tod meiner Oma lernen soll. (Ihr kennt das doch, wir erleben eine Enttäuschung oder verlieren Etwas oder Jemanden und WOLLEN WISSEN, was zur Hölle ist der Grund dafür, oder?)

Ich habe den Sinn erkannt! Es war so, als hätte sie direkt zu mir gesprochen:

„K, kümmere dich um deine andere Oma, denn sie war die meiste Zeit ihres Lebens alleine und ich möchte, dass sie auch so viel Zeit mit dir/euch verbringen kann, wie ihr sie mit mir verbracht habt!“

9000 km entfernt von Zuhause! Ich musste so weit fliegen um zu begreifen, wohin ich gehöre!

Ist das nicht verrückt? Ich finde es absolut verrückt. Nun gut, ich habe am gleichen Tag mit meinen Eltern gesprochen und ihnen meinen Wunsch mitgeteilt, München zu verlassen um erstmal bei meiner Oma zu sein und ihr zu helfen, bei allem was sie braucht! Meine Eltern waren begeistert von der Idee,somit werde ich bald in die Wohnung neben sie einziehen und dann sehen wir uns endlich öfter als nur 2-3 mal im Jahr.

Und um zu der Überschrift zurück zu kommen: Wenn ich eines gelernt habe mit dem Verlust meiner Oma: Verbringt so viel Zeit wie möglich mit einem geliebten Menschen. Dann tut es nicht so weh, wenn einer geht, denn man weiß jeden Gedankengang dieser Person, man kennt all die Ängste und Gefühle, die diese Person in sich trägt und weiß, dass man dieser Person oft genug geZEIGT* hat, dass sie geliebt wird. (*Worte haben oft kaum noch Bedeutung.)

Nehmt euch das zu Herzen.

HSP – Highly Sensitive Person

HSP – Highly Sensitive Person

 

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Kennt ihr das, wenn man in einem Streit richtig ausrastet? Es muss nichtmal so weit kommen, dass man seinen Gegenüber beleidigt oder ihm Sachen an den Kopf wirft, die man nur aus der Wut heraus sagt. Es reicht, wenn der Zorn in einem ist und man die Situation fluchtartig verlässt und sich ärgert wie die Pest.

Ja, ich kenne das sehr, sehr, sehr, zu gut. Ich kenne es sogar so gut, dass ich mir selbst oft die Frage stelle ob das in dieser Intensität noch normal ist. Ich bin halbe Kroatin und somit trage ich südländisches Blut in mir. Komischerweise ist in meiner engsten Familie die deutsche Seite wesentlich aufbrausender, also somit kann das irgendwie nicht ganz so sein….

Als ich eines Abends im Bett lag und mich durch’s Internet wälzte, (oftmals google ich banale Dinge wie „Ich hasse Menschen – was tun?“) wurde ich auf „Hochsensibilität“ aufmerksam.

Dass ich sensibel bin, wusste ich bereits, aber dass es Menschen gibt, die genauso sind wie ich und es DAFÜR sogar eine Bezeichnung gibt, wusste ich bislang noch nicht.

Highly Sensitive

Was das genau bedeutet, erzähle ich euch:

Gerade einmal 5-10% der Menschen sind mit dieser außergewöhnlichen Gabe beschenkt:

(…) Menschen mit hoher Wahrnehmungsfähigkeit haben aufgrund einer physiologischen Disposition ihres Nervensystems eine erhöhte Empfänglichkeit für Reize – und zwar sowohl für äußere Reize wie Geräusche oder Gerüche, als auch für innere wie z.B. Stimmungen, Gefühle anderer, Erinnerungen und Ahnungen. (…) Zitat hier

Das bedeutet übersetzt, dass HSP’s ständig und andauernd damit beschäftigt sind, Reize zu verarbeiten. Sie nehmen Reize anders und viel länger wahr, denken ständig über Dinge nach und können sich mit Erklärungen irgendwie einfach nicht zufrieden geben, ohne sich selbst nochmal damit zu beschäftigen.

(ADHS & ADS haben ähnliche Formen der Überreizung, allerdings haben HSP keine Konzentrationsschwierigkeiten – im Gegenteil, sie sind sogar ziemlich leistungsstark.)

Diejenigen, die jetzt Schlagwörter wie „Streit“, „Ausflippen“, „Ruhe wollen“ überschlagen und denken „Mädchen, übertreib mal deine Rolle nicht…“ sage ich: Ich bin anders wütend als ihr.

Das beste Beispiel: Ich hatte eine zeitlang eine Kollegin, die mir so tierisch auf den Zeiger ging, dass sie mich nur ansprechen musste und ich wäre beinahe explodiert. Ich dachte immer sie redet einfach nur Scheiße und deshalb macht es mich so sauer. ABER NEIN! Es war ihre Stimmlage, die mich aggressiv gemacht hat. Es war für mich UNMÖGLICH sie zu ignorieren, obwohl mir das wirklich alle in meinem Umfeld empfohlen haben… Aber diese Tonlage war für mich schon zu viel! Jedes Mal wenn sie den Mund aufgemacht hat, hat es sich für mich angefühlt, als hätte man mir direkt ins Gesicht geschlagen. Das hat mich auch so beschäftigt, dass meine Psyche angefangen hat darunter zu leiden, weil ich ständig versuchen musste es nicht zu nah an mich heran zu lassen.

Wenn ich in der freien Wildbahn zu finden wäre, wäre ich wohl der Anführer, der das Tier schon von weitem wahrnimmt. Der Jäger, der volles Rohr und mit jeder Faser seines Körpers das Ding kalt macht. Deswegen verstehe ich auch, wieso es Menschen wie uns gibt.

So hasserfüllt das auch klingt, ich bin auch in die gegengesetzte Richtung anders als Andere:

Wenn ich liebe, dann aus vollstem Herzen und so, dass ich Menschen damit sogar fast schon auf die Nerven gehe. Ich nehme mich selbst gerne zurück und versuche die Person, der mein Herz gehört mit Liebe zu überschütten. Leider waren in meiner Vergangenheit immer Menschen dabei, die das nicht so richtig zu schätzen wussten. Deshalb halte ich mich mittlerweile auch mit meinen Emotionen viel mehr zurück als noch vor ein paar Jahren. Wie schön wäre es, wenn ich einen Menschen hätte, der wüsste wie das ist und mich zu 100% versteht – in meinem Umfeld leider Mangelware.

Wie ich das alles finde? Ich finde es interessant, aber ich wünschte mir von ganzem Herzen, ich wäre nicht so kompliziert.

Ein Funfact zum Schluss: Ich war vor einigen Jahren, eigentlich nur zum Spaß, bei einem Wahrsager auf dem Toolwood in München. Der gute Mann hat mir damals schon gesagt, dass ich den berühmten 6. Sinn besitze und mit ein bisschen Übung auch wahrsagen könnte. Jetzt weiß ich, was er meinte:

Meine Hochsensibilität.


 

(Ich bin übrigens unfassbar tierlieb – Das Beispiel mit dem Jagen bitte nicht allzu ernst nehmen)


Links zu dem Thema findet ihr hier:
Was HSP genau ist
Zart Besaitet – Tolle Seite!
Der Selbsttest
Wie der Partner mit einer HSP umgehen sollte

Das Bild ist von Pexels